Viele Menschen kennen M.U.T. vielleicht dem Namen nach - aber noch längst nicht alle wissen, wer wir eigentlich sind, was wir tun und vor allem, warum wir es tun.
Mit unseren M.U.T.-Gedanken möchten wir genau das sichtbar machen: Wir geben Wissen weiter, machen neugierig und laden zum Nachdenken ein. Wir erzählen von Menschen, Tieren und Natur, von Begegnungen auf Augenhöhe und davon, was verantwortungsvolle tiergestützte Arbeit für uns bedeutet.
In den vergangenen M.U.T.-Gedanken habe ich Euch erzählt, wie die Idee zu M.U.T. entstanden ist und warum Tiere für mich dabei von Anfang an eine so entscheidende Rolle gespielt haben.
Nun möchte ich Euch nach und nach auch die Tiere vorstellen, die heute zu M.U.T. gehören.
Den Anfang macht ein kleiner Ponywallach, mit dem für mich persönlich vieles begann:
Amadeus.
Amadeus ist ein Minishetty und hat ein Stockmaß (Schulterhöhe) von gerade einmal 80 cm. Laut seinem Pass wurde er 1990 geboren – wurde also dieses Jahr stolze 36 Jahre alt.
Wie lange er schon im ehemaligen Vogel- und Tierpark in Neudorf lebte, weiß ich nicht genau. Aber mindestens seit 2012, denn damals kümmerte sich meine Nichte als Jugendliche um ihn.
2019 besuchte sie den Vogelpark mit ihrem kleinen Sohn und sah Amadeus nach Jahren wieder. Sein Zustand machte ihr Sorgen und sie bat mich, nach ihm zu schauen.
Also ging ich hin.
Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung von Ponys. Aber auch ohne Fachwissen konnte ich erkennen, dass es diesem kleinen Kerl nicht gut ging.
Wegen Amadeus wurde ich Mitglied im damaligen Vogelverein, um mich um diesen kleinen Kerl kümmern zu dürfen. Von da an war ich täglich bei den Tieren, versorgte sie und verbrachte sehr viel Zeit mit ihnen.
Was damals mit der Sorge um ein kleines Pony begann, sollte mein Leben grundlegend verändern.
Eine tierärztliche Untersuchung zeigte unter anderem erhebliche Zahnprobleme. Amadeus konnte sein Heu nicht mehr richtig kauen und brauchte deshalb eine auf ihn abgestimmte Fütterung.
Doch da war noch etwas anderes:
Amadeus war unglaublich ängstlich und schreckhaft.
Ich bürstete ihn, ging mit ihm spazieren, kümmerte mich um ihn und versorgte ihn mehrmals täglich mit eingeweichten Heucobs. Nach und nach erholte er sich körperlich. Und mit der Zeit veränderte sich noch etwas:
Amadeus begann zu vertrauen.
Wann genau das geschah, kann ich heute gar nicht sagen. Vertrauen entsteht nicht unbedingt in einem einzigen großen Moment. Manchmal wächst es ganz leise – mit jeder guten Erfahrung ein kleines bisschen mehr.
Und genau so war es bei uns. Je mehr Zeit wir miteinander verbrachten, desto weniger war Amadeus für mich einfach „das kleine Pony im Vogelpark“.
Ich lernte Amadeus kennen.
Seine Ängste. Seine Vorlieben. Seine Eigenheiten. Seinen Charakter.
Und seinen ausgesprochen großen Appetit. 😉
Denn wenn es etwas gibt, das Amadeus wirklich wichtig ist, dann ist es Essen. Kein Futtereimer ist vor ihm völlig sicher. Bietet sich eine Gelegenheit, wird er schon einmal umgeworfen und mit den Hufen so lange bearbeitet, bis er vielleicht doch an den Inhalt kommt.
Unser Amadeus ist eben auch ein kleiner Schelm und hat es „faustdick hinter den Ohren“.
Als die Tierhaltung im Vogelpark 2021 endete, musste auch Amadeus den Park verlassen.
Ich erfuhr schließlich, dass er etwa 30 km entfernt ein neues Zuhause gefunden hatte. Mehr als den Namen des Ortes kannte ich nicht. An einem Samstag machte ich mich auf den Weg – in der Hoffnung, ihn vielleicht irgendwo auf einer Weide zu entdecken.
Und tatsächlich fand ich ihn.
Sein neuer Besitzer kümmerte sich liebevoll um Amadeus und ich durfte ihn regelmäßig besuchen. Wenn ein Tierarzttermin anstand, bat er mich manchmal sogar, dabei zu sein.
Ein Satz von ihm ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben:
„Amadeus ist viel ruhiger, wenn Du dabei bist.“
Da wurde mir von außen bestätigt, was zwischen Amadeus und mir über die Jahre gewachsen war: Vertrauen.
Im August 2023 wollte ich Amadeus wieder einmal besuchen. Doch dieses Mal kam es anders. Sein Besitzer wollte seine Pferdehaltung aufgeben und fragte mich, ob ich Amadeus übernehmen möchte. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir gerade das OK von der Gemeinde erhalten, dass wir mit unserem Verein ein Teilstück des ehemaligen Vogelparkgeländes nutzen dürfen. Für mich gab es nicht viel zu überlegen: Amadeus durfte zurückkommen.
Und so kehrte ausgerechnet das kleine Pony, wegen dem mein eigener Weg mit den Tieren dort 2019 begonnen hatte, einige Jahre später mit M.U.T. nach Neudorf zurück.
Besonders Kinder fühlen sich schnell zu ihm hingezogen. Amadeus nimmt sehr gerne Kontakt zu ihnen auf. Er geht zu ihnen, schnuppert vorsichtig und lässt sich gerne bürsten oder die Haare flechten. Dabei kann er inzwischen so tief entspannen, dass ihm manchmal sogar die Augen zufallen.
Was für ein Unterschied zu dem ängstlichen Pony, das ich 2019 kennengelernt hatte.
Unsere tiergestützten Aktivitäten richten wir nach den Fähigkeiten, Bedürfnissen und dem Charakter unserer Tiere aus – nicht die Tiere nach unseren Aktivitäten. Alles ist freiwillig.
Amadeus wird älter. Er sieht nicht mehr so gut und Spaziergänge mit Besucherinnen und Besuchern sind ihm inzwischen zu anstrengend. Also muss er sie nicht machen.
Er darf sich bürsten lassen, weil er das genießt. Er darf von sich aus Kontakt aufnehmen, wenn er möchte. Amadeus darf einfach „SEIN“.
Ein Tier muss bei M.U.T. nichts leisten, um wertvoll zu sein. Manchmal entsteht eine besondere Begegnung gerade dadurch, dass ein Tier einfach da ist – mit seiner Persönlichkeit und seiner ganz eigenen Art. Wenn ich heute das weit entfernte Tor zum Gelände öffne, hört Amadeus es als Erster und begrüßt mich mit seinem Wiehern.
Und wenn seine eingeweichten Heucobs auf seinem Fressplatz warten, steckt plötzlich erstaunlich viel Energie in unserem gesetzten Senior. Dann trabt er zielstrebig zu seiner Futterschüssel.
Warum mein Herz so sehr an diesem kleinen Pony hängt?
Vielleicht, weil ich erleben durfte, wie aus einem sehr ängstlichen Tier über die Jahre ein fröhlicher kleiner Kerl wurde, der mir heute so viel Vertrauen entgegenbringt.
Vielleicht wegen seiner treuen Augen.
Vielleicht, weil er einfach unglaublich süß und liebenswert ist.
Aber wahrscheinlich ist es wegen allem zusammen.
Amadeus war der Anfang eines Weges, von dem ich 2019 noch nicht wusste, wohin er einmal führen würde.
Heute ist Amadeus ein wichtiger Teil von M.U.T. Mensch-Umwelt-Tier e. V.
Wohlbehütet und geliebt. Und mit dem Recht, seinen Lebensabend zu genießen, ohne etwas leisten zu müssen. Er darf einfach Amadeus sein.
🌿 Fortsetzung folgt…
M.U.T. Mensch-Umwelt-Tier e.V.
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